Linien

"Glasfenster" aus dem Überlinger Münster

24.07.2026 | Nicht das, was man erwartet

Sei es eine Tafel Schokolade mit Verpackung oder ein Archivkarton mit Akten: generell wird erwartet, dass Beschriftung und Inhalt (mit den eigenen Vorstellungen) übereinstimmen. Dass dem nicht unbedingt so ist, zeigte sich bei der Digitalisierung der Fotoplatten aus dem Münster St. Nikolaus in Überlingen. 

Verpackung mit der Beschriftung „Glasfenster“
Bei der auf der Verpackung angegebenen Beschriftung „Glasfenster“ wurde von der Bearbeiterin eine bunte Bilderserie an Kirchenfenstern erwartet - zumindest in der Vorstellung bunt, da die Motive auf den Fotoplatten in Schwarzweiß und als Negativ abgelichtet wurden. Doch von den Fotoplatten entsprach lediglich eine den Erwartungen - die weiteren Aufnahmen zeigten Personen, der Kleidung nach aus zivilem, geistlichem und militärischem Kontext.
 
Fotovorlage für das Glasfenster

Die Bedeutung von Kommunikation und Austausch zur Klärung von Sachverhalten bestätigte sich mal wieder, denn der erste Gedanke, dass die Fotoplatten wohl in einer alten bzw. falsch beschrifteten Verpackung aufbewahrt wurden, konnte dank eines aus dem Zufall heraus entstandenen Gesprächs korrigiert werden: demnach handelt es sich bei den abgelichteten Personen um Vorlagen für das Kriegergedächtnisfenster, welches nach dem Ersten Weltkrieg entworfen und in das Überlinger Münster eingebaut wurde. Somit war die Beschriftung „Glasfenster“ auf der Verpackung durchaus richtig, nur nicht die Vorstellung der Bearbeiterin.

Die Fotoplattensammlung des EAF wird im Rahmen der Bestandserhaltung, und um Benutzerinnen und Benutzer den Zugang zu den Bildern zu ermöglichen, derzeit digitalisiert.

Herzlichen Dank an Dr. Ulrich Knapp für den entscheidenden Hinweis.
 
Anna Zimmermann
 
Literaturhinweis
 Walter Liehner, Eine Zierde für die Stadt: Die Glasgemälde von Albert Figel und Alexander Linnemann im Überlinger Münster. In: Stadt Überlingen (Hrsg.), 1250 Jahre Überlingen: eine Zeitreise vom Mittelalter bis zur Moderne, Meßkirch 2023, S. 470-497.