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Abschied vom Dekanat

24.09.2025 | Abschieds-Interview mit Ann-Kathrin Wetzel und Johannes Mette

Schon im Sommer haben wir mit Dekan Johannes Mette (JM) und Dekanatsreferentin Ann-Kathrin Wetzel  (AKW) sowohl zurück- als auch vorausgeblickt. Jetzt, wo ihr Abschied tatsächlich stattfindet, möchten wir dieses Gespräch als herzliche und dankbare Erinnerung mit Ihnen teilen.

 
Wenn ihr zurückblickt auf die ca. sieben bzw. neun Jahre im Dekanat Lahr, was waren für euch persönlich die bewegendsten Momente, die ihr in Erinnerung habt?
AKW: Ganz klar die erste Baustellen-Veranstaltung damals in Kippenheimweiler. Das war so ein Meilenstein. Und es ist gelungen, dass sich dort Menschen über Kirchengemeinden hinweg kennenlernen. Das hat einfach viel Spaß gemacht.
JM: Und auch nochmal die drei Gemeindeteam-Abende, die ich unheimlich gut fand. Die Rückmeldung zeigte, dass es Interesse gibt und die Leute dankbar sind für Unterstützung, Vernetzung und Impulse. Das war für mich bewegend und hat mich motiviert.
AKW: Und prägend waren die letzten vier Jahre, in denen es um Kirchenentwicklung 2030 ging. Nein, eigentlich sogar länger: 2021 ging es richtig los, aber wir haben uns ja seit 2019 schon damit beschäftigt.
JM: Und dabei der Eindruck, man arbeitet gemeinsam an einem Großprojekt - eben das motivierte, gerade bei der ganzen Thematik um eine schrumpfende Kirche. Da wurde uns zwar ein Projekt vorgegeben, aber wir wussten, dass wir auch Freiräume haben und vieles vor Ort gestalten dürfen. Manchmal haben wir sogar gedacht, ein bisschen mehr Vorgabe wäre gut. Ich denke auch insbesondere an unsere Kundschafter-Fahrten, gerade nach Stuttgart. Das war unheimlich toll und es war wirklich berührend, als unser Gastgeber am Ende Tränen in den Augen hatte, dass die katholische Kirche sich bei der Freikirche in Stuttgart informiert.
 
Gab es bei Kirchenentwicklung 2030 Momente, die herausfordernd waren? Wie seid ihr damit umgegangen?
AKW: (lacht) Eigentlich jedes Mal, wenn wir von einem Treffen mit der diözesanen Projektkoordination zurückkamen, die neue Aufgaben für uns hatte. Da war immer der Gedanke, dass wir doch gerade schon genug haben. Wir haben ja mit Projektleitung und Projektträger angefangen, dann kam das Vorfeldentscheidungsgesetz, dann die Gründungsvereinbarung und immer neue Punkte. Wir haben inzwischen gelernt, dass man ein Schiff nur gut steuern kann, wenn man auf, beziehungsweise vor der Welle ist – und da war manchmal nicht das Gefühl, dass das klappt.
JM: Für mich war es genau diese Vollversammlung mit allen Pfarrgemeinderäten, die wir zu organisieren hatten, denn wir mussten ja beschlussfähig sein mit allen Seelsorgeeinheiten. Wir haben das gut vorbereitet, aber man weiß ja nie, wie der Abend verläuft. Und dann auch die Gründungsvereinbarung als Block mit vielen Hausaufgaben und wir mussten Dinge abliefern, bei denen wir noch gar nicht so weit waren. Wir haben gute Wege gefunden, aber auch das habe ich als Stress oder schwierig erlebt.
 
Worauf seid ihr im Rückblick besonders stolz?
AKW: Ich habe die Projektleitung als sehr positiv empfunden, weil die Termine eher Energie gegeben als Energie entzogen haben. Die Gruppe war immer motiviert, alle haben mitgearbeitet und sind den Weg bereitwillig mitgegangen. Wir haben uns am Anfang Zeit genommen fürs Teambuilding und das hat echt was gebracht. Es war wirklich eine tolle, tolle Zusammenarbeit. 
JM: Genau da würde ich anknüpfen. Ich bin stolz auf die Leute und dass wir wohl den richtigen Weg an Partizipation und Kommunikation gefunden haben. Es war ja auch alles eine Entwicklung und die Leute sind den Weg mitgegangen. Es gab nie einen Eindruck von Protest oder Blockade, sondern die Leute waren bereit, die gemeinsamen Schritte mitzugehen.
Und ein anderes Beispiel: Es ist gelungen, eine neue Gottesdienstordnung zu erstellen und so zu besprechen, dass nachher alle einstimmig gesagt haben ‚das ist gut, das probieren wir‘.
AKW: Und ich bin auch stolz, dass es uns gelungen ist, viele gute Leute einzubinden. So ist unsere Projektkommunikation gut gelaufen. Oder auch die Themengruppen, weil Leute dabei waren, die sich für ein Thema begeistert und es dann vorangetragen haben. Und ich merke, unser Verdienst ist vor allem, dass wir die richtigen Leute gefragt und die auch machen gelassen haben, ohne ständige Kontrolle.
 
Wie habt ihr die Balance zwischen regulärer pastoraler Arbeit in Seelsorgeeinheit und Dekanat, den vielen Kirchenentwicklungsaufgaben und dann noch dem anstehenden Stellenwechsel gefunden?
AKW: Ich weiß gar nicht, ob es wirklich funktioniert hat. Wir haben einfach das gemacht, was obenauf lag und anstand. Und klar, man hätte in jedem Bereich noch mehr machen können. Irgendwann hat man gemerkt: Die Welt wird nicht untergehen, wenn manche Entscheidungen noch nicht getroffen sind.
JM: Also ich weiß noch, bei der ersten Dekanatskonferenz vor gut sieben Jahren habe ich bei meiner Vorstellung gesagt, dass mein Schwerpunkt auf der Seelsorgeeinheit liegen wird und nicht auf dem Dekanat. Ich hatte Respekt vor der großen Seelsorgeeinheit An der Schutter, gerade auch mit ihrer Vorgeschichte. Im Rückblick kann ich sagen, war das Dekanat doch ein großer Arbeitsfaktor.
Nicht nur durch die Großbaustelle der Kirchenentwicklung, sondern auch in den letzten 1 ½ Jahren durch Termine an der neuen Stelle. Ich bin ja trotz aller zusätzlichen Aufgaben Pfarrer vor Ort. Und das war nur dadurch möglich, dass viele Leute mir den Rücken freigehalten haben. Ich hätte noch so viele Ideen gehabt für die Seelsorgeeinheit, da hätte man noch einiges machen können. Das musste ich zurückstellen, es ging einfach nicht. Es hatten jetzt andere Dinge Priorität.
AKW: Das ist bei mir auch so, dass ich manche Sachen vor Ort - gerade in Ettenheim - auch noch mal mit mehr Energie hätte machen können. Mein Vorteil war in diesem Jahr, es war kein Firm-Jahr, sonst wäre es wohl endgültig nicht mehr gegangen. Aber so hat es sich jetzt geschickt gefügt.
 
Ihr seid gerade unterwegs zwischen Ferien, Büros packen, Projektabwicklung und Neustart. Mit welchen Gefühlen blickt ihr auf den bevorstehenden Abschied aus dem Dekanat Lahr?
AKW: Ich merke, ich gehe lachendenden und weinenden Auges. Ich freue mich auf die neue Aufgabe, weiß aber auch, dass ich hier etwas zurücklasse, was ich jetzt in den neun Jahren erarbeitet habe, ein Netz an Menschen. Klar hat Neues einen Reiz, aber es ist noch nicht klar, wie es im Kinzigtal läuft und wie meine neue Aufgabe dort sein wird. Das schreckt auch und macht so ein ungutes Magengefühl. Aber es ist vor allem ein lachendes Auge, weil ich mich darauf freue, Neues zu entdecken. Und seit es jetzt mit den Sommerferien ruhiger ist, ist es möglich, Dinge gut abzuschließen und alles geordnet zu übergeben. Seither blicke ich beruhigter auf diesen Abschied.
JM: Diese Mehrfachbelastung habe ich in den letzten Monaten gemerkt. Aktuell, jetzt im Sommer, ist klar: Viele Projekte fange ich nicht mehr neu an, sondern schließe sie ab oder kläre, wer Ansprechpartner ist. Natürlich merke ich nach 7 ½  Jahren, dass man jetzt in manchen Punkten weiß, wie es läuft, viele Leute kennt und klar hat, wo man ansetzen kann. Auch deswegen ist es schade, dass es endet. Aber das ist jetzt die große Reform der Diözese und ich habe mich eingelassen, nach Bruchsal zu gehen und merke auch, an der neuen Stelle werden die Karten noch mal neu gemischt: Ich kann aus Fehlern lernen, kann Erfahrung mitbringen, die dort vielleicht eine Hilfe in manchen Bereichen ist, das habe ich jetzt teilweise schon gemerkt. Das motiviert mich.
 
Ihr habt viel Arbeit und Herzblut ins Dekanat gesteckt und lasst viele noch offene Baustellen zurück, die andere jetzt weiterentwickeln. Welche Wünsche und Hoffnungen habt ihr für die zukünftige Kirchengemeinde Südlichen Ortenau?
AKW: Ich hoffe und wünsche, dass das, was angefangen hat, gut weiterwächst. Wir haben viel Zeit investiert, dass die Leute sich kennenlernen, und das hat gut funktioniert. Wenn auch von der Projektleitung jetzt vier Ehrenamtliche für den Pfarreirat kandidieren, dann kann es nicht so schlimm gewesen sein. Es geht jetzt darum, dass diese Lust auf Neues bleibt.
JM: Ich wünsche allen Playern, die neu starten, dass sie den Schwung mitnehmen können. Dass vor allem auch das Gemeinsame bestehen bleibt und weiterentwickelt werden kann. Wir sind in vielen Bereichen schon weit, natürlich auch bedingt durch den kompakten Lebensraum Südliche Ortenau als alter Landkreis Lahr. Und da wünsche ich, dass neue Dinge wachsen können, auch im Diskurs mit Ökumene und Politik.
 
Wenn eure Zeit im Dekanat ein Buchtitel wäre, wie würde er lauten?
JM: Der Generalvikar stellte in seiner Abschiedsrede mit Blick auf meine gut sieben Jahre hier die biblische Frage: Waren es sieben magere oder sieben fette Jahre? Also würde ich das Buch nennen: SIEBEN VOLLE JAHRE, denn meine gut sieben Jahre hier waren wirklich voll mit Programm.
AKW: Mein Gedanke war: DIE DEKANATSREFERENTIN WÄCHST MIT IHREN AUFGABEN, denn es sind viele neue Aufgaben dazugekommen und ich bin in diese Aufgaben reingewachsen. Und ich stehe jetzt nochmal anders da als vor neun Jahren und habe mich selbst auch entwickelt.
 
(Interview durch Melanie Bischoff)
 
Info:
Johannes Mette verlässt das Dekanat Ende September in Richtung Bruchsal, wo er als künftiger Leitender Pfarrer beginnt. Ann-Kathrin Wetzel geht ebenfalls Ende September und wird leitende Referentin in der Kirchengemeinde Kinzigtal. Im Oktober treten sie ihre neuen Stellen dort an, wie auch bei uns für die künftige Kirchengemeinde Südliche Ortenau Nelson Ribeiro und Martin Wetzel im Oktober als neue Leitungspersonen anfangen.