01.07.2024
Unser Referent*innen-Team stellt sich im Rahmen einer Interviewreihe vor. Im Folgenden beantwortet unsere stellvertretende Direktorin Dr. Susanne Ruschmann die zehn Fragen.

Was ist Ihr Lieblingsort?
Schon seit drei Jahrzehnten: Tabgha am See Gennesaret, wo ich mich eingewurzelt fühle in das Wirken und die Spiritualität Jesu. Seit meinem Sabbatical 2023: das Incarnation Monastery in den Berkeley Hills, mit atemberaubendem Blick über die San Francisco Bay und auf das Golden Gate. Weite über den Horizont hinaus.
Welche Momente in Ihrer Arbeit lassen Ihr Herz höherschlagen?
Wenn ich miterleben darf, wie – besonders im Bibliodrama – Menschen auf dem tragenden Grund der Heiligen Schrift ihre eigene Heilsgeschichte entdecken und füreinander zu Glaubenszeuginnen und -zeugen werden.
Meine Lieblingsgestalt aus der Bibel?
Maria von Magdala, die einen eigenen Weg vom Tod ins Leben geht und als Apostelin den österlichen Anfang von Kirche prägt, bis heute.
Welche Person aus der Geschichte der Spiritualität gibt Ihnen Orientierung?
Madeleine Delbrêl mit ihrer geerdeten Spiritualität und ihrer Überzeugung von Gottes Präsenz im Alltag.
Was ist für Sie das drängendste Problem von Kirche und/oder Theologie der Gegenwart?
In der Kirche: Die dringende Notwendigkeit tiefgreifender struktureller Reformen, um die Ursachen von sexuellem und geistlichem Missbrauch zu überwinden.
Wer ist Ihr Lieblingsdichter,-schriftsteller – Ihre Lieblingsdichterin, -schriftstellerin?
Wilhelm Bruners. Seine biblische Poesie prägt und begleitet mich schon sehr lange.
Wann waren Sie zuletzt im Kino, Theater oder Konzert? Was haben Sie gesehen bzw. gehört?
Don Carlos von Giuseppe Verdi im Freiburger Theater.
Welches Buch lesen Sie gerade?
“Stay away from Gretchen” von Susanne Abel. Catherine Keller, On the Mystery.
Was hat Sie in letzter Zeit zum Staunen gebracht?
Das schwebende Kreuz in der Osternacht von St. Maria Magdalena in Freiburg: Bewegt vom Luftzug drehte es sich um die eigene Achse, so dass sich die leuchtende Auferstehungsseite und die fürbittenschwere Karfreitagsseite abwechselnd zeigten. Österliche Verkündigung, wie sie keine Predigt einholen kann.
An welchen Orten / in welchen Situationen haben Sie eine Ahnung von Gott bekommen, obwohl Sie es nicht erwartet hätten?
Zuletzt während Exerzitien am Starnberger See. Ich saß am Ufer an einem erloschenen Kohlefeuer und spürte Verzweiflung über die Wohnungskündigung, die mein Mann und ich kurz zuvor erhalten hatten. Mitten in meine trüben Gedanken hinein stand plötzlich ein Schwan vor mir und schaute mich still minutenlang an. In unserer Begegnung erahnte ich auf einmal die Nähe des Auferstandenen – und die Verheißung: Es gibt einen neuen Anfang.
